Sanierung des Mausoleums nicht auf Tierparkkosten! E-Mail

 

7. September 2010. Die Idee, das Mausoleum im Tierpark wieder als Begräbnisstätte zu nutzen und mit den Erlösen aus der Vergabe von Urnengräbern die Sanierung des von 1894 bis 1898 errichteten monumentalen Kuppelbaus zu finanzieren, mag manchem Dessauer genial erscheinen. Das ist umso verständlicher, da wohl allgemeiner Konsens darin bestehen dürfte, dass das Mausoleum als Stadtbild prägendes und weit über die Grenzen Dessaus hinaus bekanntes Bauwerk erhalten werden muss. In Zeiten spärlich fließender finanzieller Mittel dürfte zudem jeder Euro-Strohhalm ohne große Nachfrage als willkommen gelten, wenn er Rettung - sprich den Erhalt des Bauwerks - verheißt. In diesem Sinne ist das Engagement, mit dem sich der gemeinnützige Förderverein Mausoleum Dessau seit seiner Gründung im Januar 2007 für den Erhalt der vom Architekten Franz Heinrich Schwechten erbauten Begräbnisstätte der anhaltischen Herzogsfamilie einsetzt,  auf den ersten Blick durchaus positiv zu bewerten.

 

Freilich hat der Verein in den vergangenen Jahren schon mehrere Vorschläge der Öffentlichkeit unterbreitet. So hieß es im Jahr 2007, dass im Mausoleum gegen Bezahlung Tafeln und Skulpturen angebracht werden könnten, die an bedeutende Sachsen-Anhalter erinnern. Überlegungen, das Gebäude als Begräbnisstätte zu nutzen, wurden indes zu diesem Zeitpunkt fallen gelassen.

 

Reichlich einen Monat später war es an Vereinsmitglied Hans-Joachim Mellies, zu verkünden, dass das Gebäude für Dessauer und Besucher der Stadt auf jeden Fall zugänglich sein solle. Im Januar 2008 informierte der Verein, dass die Krypta als Gedenkstätte der Askanier erhalten bleiben und die Halle für kulturelle Veranstaltungen (kleine Konzerte, Lesungen) genutzt werden könne. Außerdem wurde geplant, in den Seitennischen Tafeln und Skulpturen, die an bedeutende Persönlichkeiten der Stadt erinnern, anzubringen. Wilhelm Schulze, Architekt im Ruhestand, sicherte fachliche Unterstützung bei den Bauarbeiten zu und wurde zum Ehrenmitglied des Vereins berufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Er war es auch, der in diesem Jahr „eine geniale Architektenidee“, so FDP-Fraktionschef Dr. Jürgen Neubert im Amtsblatt, auf den Tisch legte. Das Mausoleum wird in seiner Gesamtheit wieder Begräbnisstätte. Basta! Nun soll alles ganz schnell gehen. Die Liberalen wollen sich im Stadtrat für einen fraktionsübergreifenden Konsens einsetzen und führen alle möglichen Kritiker schon im Vorfeld vor. Wer wagt es, etwas gegen eine Idee zu äußern, die unter anderem vom Ehrenbürger der Stadt, Kreisoberpfarrer i. R. Alfred Radeloff, von den Rotariern, den Freunden des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches und vom Haus Anhalt-Askanien befürwortet wird? Hinzu kommt, dass das Anliegen - nicht nur, weil 800 Jahre Anhalt 2012 gefeiert werden - als solches durchaus begrüßenswert ist.

 

So zitiert dann auch Architekt Schulze Friedrich Schiller: "Wer gar zu viel bedenkt, wird weniger leisten". Und wer will das schon? Bleiben wir einen Moment auf dieser Ebene und setzen einen Spruch von Konfuzius entgegen: "Wer das Morgen nicht bedenkt, wird Kummer haben, bevor das Heute zu Ende geht."

 

Anders formuliert: „Welche Auswirkungen hat die Idee von der Begräbnisstätte auf den Dessauer Lehrpark für Tier- und Pflanzenkunde? Keine, verdeutlicht der FDP-Politiker im Amtsblatt. Der Mausoleumsbereich werde ausgegrenzt, separate Eingänge für den Tierpark und die Begräbnisstätte würden Nutzungskonflikte vermeiden. Auf die inzwischen von etlichen Bürgern geäußerten Bedenken geht Dr. Neubert nicht ein.

 

Dabei genügt nur ein wenig Vorstellungskraft, um die einschneidenden und in ihrer Konsequenz letztlich auch Existenz gefährdenden Veränderungen für den Tierpark zu erkennen. Eine Ausgrenzung des Mausoleumsbereiches bedeutet doch, dass eine Fläche vom jetzigen Eingang bis zum Kuppelbau, die von Zäunen begrenzt werden muss, dem Tierparkgelände entnommen wird. Rundgänge werden nicht mehr möglich sein, das Areal wird zerstückelt, die gärtnerische Gesamtkomposition des Parks zerstört. Zudem wird sich die Atmosphäre in der jetzigen Idylle rigoros ändern, der Park an Anziehungskraft verlieren. Hier Bestattungen, dort ein lustiger Kindergeburtstag, das geht nicht zusammen. Weniger Besucher, weniger  Einnahmen. Das ist zu befürchten. Auch die Parkplatzargumente sind nicht stichhaltig, auch da gibt es andere Lösungen. Und ob ein trauriger Besucher einer Urnenbeisetzung nun gerade im Tierpark Ablenkung finden muss?

 

Letztlich bleibt zu bemerken: Der Förderverein Mausoleum beschreitet einen schlechten Weg, um ein gutes Ziel zu erreichen. Jahrelang wurde das Mausoleum sträflich vernachlässigt. Nun soll alles ganz schnell gehen, ohne intensive Diskussion der Auswirkungen des geplanten Vorgehens. Doch die Diskussion ist angeschoben, noch besteht die Möglichkeit, eine bessere Variante der Finanzierung der erforderlichen Sanierungsarbeiten zu finden.

 

Denn eines ist so klar wie unausgesprochen: Der Mausoleumsverein hat trotz großer Anstrengungen bislang keine Möglichkeit gefunden, das ehrgeizige Sanierungsprojekt zu finanzieren. Es fehlt an Geld. Das zu beschaffen, darf indes mit der jetzt vorliegenden „genialen Idee“ nicht auf Kosten des Dessauer Tierparks gehen. Der Verein Tierparkfreunde Dessau wird mit Entschiedenheit gegen Pläne, welche die bei Jung und Alt beliebte Einrichtung beschädigen, vorgehen.

 

Vorstand Tierparkfreunde Dessau